Jürgen Kohstall

Worauf legen Geschäftsreisende unterwegs besonderen Wert und welche Rolle spielen sie als Zielgruppe am Albrecht Dürer Airport Nürnberg? Fragen an Jürgen Kohstall, Leiter Marketing & Unternehmenskommunikation des fränkischen Flughafens.

Im Gespräch mit Jürgen Kohstall

Jürgen Kohstall ist nicht nur selbst häufig dienstlich unterwegs und weiß daher, welche Services Geschäftsreisende auf Business Trips besonders schätzen. In seiner Position als Leiter Marketing & Unternehmenskommunikation am Albrecht Dürer Airport Nürnberg, erhält er tagtäglich einen Blick hinter die Kulissen. 

Die Infrastruktur als USP der MICE-Destination Bayern

Herr Kohstall, was macht aus Ihrer Sicht das Land Bayern als MICE-Standort attraktiv?

Es sprechen mehrere Gründe für Bayern. Einerseits die sehr gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur kombiniert mit einem besonders gastfreundlichen Umfeld, das bayerische Lebensgefühl und unsere positive Willkommenskultur. Andererseits unsere international bestens vernetzte Wirtschaft und Wissenschaft, die Plattformen für den Austausch von Knowhow und Innovationen bieten.

Wie hoch ist der Anteil Geschäftsreisender am Reiseaufkommen des Nürnberger Flughafens?

Dazu fehlen noch aktuelle Zahlen, denn das Reiseaufkommen veränderte sich mit der Pandemiesituation dynamisch, die Geschäftsreise ist noch zurückhaltender als die anderen Segmente. Vor Corona lag der Anteil durch Geschäftsreisende bei der Hotelbelegung in Nürnberg bei etwa 70 Prozent, das spiegelt sich zu Messezeiten auch am Nürnberger Flughafen und zeigt, wie wichtig wir für Geschäftsreisende sind.

Der Nürnberger Flughafen wurde mehrfach mit dem Business Traveller Award ausgezeichnet, was ist das Besondere an diesem Airport?

Der Albrecht Dürer Airport Nürnberg hat ein Alleinstellungsmerkmal als City-Flughafen. Geschäftsreisende schätzen die hervorragende Verkehrsanbindung. Mit der U-Bahn sind Sie in 12 Minuten in der Stadt, die fahrerlose U-Bahn bis zur Messe Nürnberg benötigt lediglich 25 Minuten; von der A3 sind wir nur 6 Kilometer entfernt.

Welche Leistungen schätzen Geschäftsreisende besonders?

Geschäfts-reisende schätzen eine gut ausgebaute Infrastruktur sowie hohe Service-standards. 

Sie mögen die sehr kurzen Wege innerhalb eines Geländes, die schnelle zentrale Sicherheitskontrolle sowie die einfache Orientierung innerhalb des Flughafens. Geschäftsreisende schätzen hohe Servicestandards, u.a. bei der sehr schnellen Gepäckrückgabe. In unserem Fall ist das erste Gepäckstück im Schnitt 7 Minuten nach Andocken des Flugzeugs auf dem Band. Business-Einrichtungen wie eine große Lounge, eine eigene, kostenlose Business-Area mit Meetingplätzen und die Möglichkeit des Valet Parking bei „ParkenPlus“, um das eigene Auto noch vor dem Parkhaus abzugeben, werden ebenfalls genutzt. Last but not least ist ein leistungsstarkes, kostenfreies WLAN, Standard.

Inwieweit nutzen Geschäftsreisende den ÖPNV ab Flughafen?

Es gibt natürlich Geschäftsreisende, die mit dem eigenen Pkw oder dem Taxi an- oder abreisen, aber viele Messebesucher nutzen den ÖPNV. Das ist nicht nur unkomplizierter, sondern auch ökologischer, preiswerter und i.d.R. schneller als mit dem PKW.

Die Herausforderungen durch die Pandemie

Welche Herausforderungen hat die Pandemie gebracht?

Die Pandemie war ein echter Spagat für uns. Einerseits mussten wir sehr schnell mit Kurzarbeit reagieren, um einen Großteil der Mitarbeiter*innen zu halten, gleichzeitig aber auch einen 24-Stunden-Betrieb gewährleisten, denn es gab ja weiterhin Cargo, die allgemeine Luftfahrt und Sonderflüge. Wir mussten darüber hinaus Perspektiven für die Zeit danach entwickeln, im engen Kontakt mit den Airlines und Partnern vor Ort bleiben, um gemeinsam nach der Pandemie mit einem attraktiven Angebot wieder starten zu können.

Welche Herausforderungen stellen sich zum jetzigen Zeitpunkt der Pandemie?

Das schnelle Hochfahren unserer gesamten Flughafeninfrastruktur ist eine echte Herausforderung. Im Sommerflugplan 2022 werden wir zu einigen Zeitpunkten wieder auf dem Niveau von 2019 sein, über das gesamte Jahr schwankt die Auslastung pandemiebedingt noch sehr. Diese Berg- und Talfahrt muss organisiert und gemanagt werden. Es ist herausfordernd, schnell Arbeitskräfte v.a. im operativen Bereich zu gewinnen, sie einzuarbeiten, in den richtigen Teams einzusetzen, auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Fakt ist, dieser Mangel bleibt uns nach der Pandemie zunächst erhalten, nicht nur uns, sondern auch unseren Partnern, z. B. an der Sicherheitskontrolle oder Gastronomie. Im Marketing geht es um eine schnelle, crossmediale Marktdurchdringung, um die neuen Flugangebote erfolgreich einzuführen.

Die Pandemie war ein echter Spagat für uns.

Wie kann das durch Corona verloren gegangene Vertrauen von Passagieren in Flugreisen zurückgewonnen werden?

Besonders wichtig ist, dass die Services unkompliziert und fehlerlos funktionieren, genügend Abstände möglich sind und geringe Wartezeiten bei den jeweiligen Servicestationen entstehen. Außerdem muss es international abgestimmte, klar definierte Regelungen geben. Im Zuge der Pandemie haben wir unsere Services in Zusammenarbeit mit den Airlines weiter optimiert.

Innovation & Infrastruktur in Bayern. 

In welchen infrastrukturellen Bereichen ist Bayern aus ihrer Sicht schon gut aufgestellt? Und wo aus ihrer Sicht besonders innovativ?

Beim Thema Verkehrsinfrastruktur ist Bayern bereits gut aufgestellt. Besondere Innovationen in unserem Bereich erkenne ich zum Beispiel bei Unternehmen wie „Lilium“, das in Bayern und mit der Unterstützung vom Land Bayern wegweisende Elektroflugzeuge entwickelt.

Auch das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Welche Maßnahmen ergreift der Nürnberger Flughafen zum Thema CO2-Reduzierung und was ist in Zukunft geplant?

Wir sind schon länger dabei, das Programm „Road to 2045“ umzusetzen. Spätestens dann wollen wir CO2-neutral sein. Wir beziehen Wärme aus einem benachbarten Hackschnitzelwerk, nutzen Ökostrom, wir haben ein Konzept für das gesamte Energiemanagement und installieren u.a. neue energiesparende Beleuchtungsanlagen. Darüber hinaus pflegen wir die Ausgleichsflächen, renaturieren und bauen unsere Vorfeld-Elektroflotte aus. Ein weiterer, wichtiger Schritt ist die geplante bislang größte Photovoltaikanlage auf unserem neuen Parkhaus P4.

Der Flughafen als Eventlocation 

Was macht einen Flughafen als Eventlocation interessant?

Da ist die Faszination Luftverkehr, die Möglichkeit, moderner Flugzeugtechnik nah zu sein, da sind die Gedanken und Träume an ferne Länder und Kulturen, die Fantasie, einzusteigen und in die Welt zu fliegen, auch wenn das natürlich bei den Events nur Träume sind. Aber diese Freiheit, diese Möglichkeit, das inspiriert die Menschen bei Events am Flughafen immer noch.

An welche Veranstaltung am Airport Nürnberg denken Sie besonders gerne zurück?

Herausragend waren die Public Viewings während der Fußball-WM und -EM auf einer extra dafür ausgebauten Freiparkfläche am Nürnberger Flughafen. Wir hatten bis zu 20.000 Besucher. Mit langjährigen Partnern haben wir den Airport als Event-Location etabliert; das Handling einer großen Anzahl von Menschen sind wir gewohnt, mit dem Event-Sommer geht es dieses Jahr wieder weiter.

Auf dem Spezial-Keller in Bamberg

Bayern als Urlaubs- und Erholungsdestination

Freizeittipps von Jürgen Kohstall 

Ein lauer Sommerabend auf einem Bamberger Bierkeller, wie die Biergärten dort heißen, mit regionalen Spezialitäten und dem Blick über die Altstadtdächer und Kirchtürme.

Für Aktive empfehle ich eine Radltour im Nürnberger Land und Wanderungen in der wunderschönen Hersbrucker oder Fränkischen Schweiz. Es gibt eine unglaublich große Auswahl.

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